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 Übersetzung des Geleitbriefes

Eröffnung des Heimatfestes - 625 Jahre Burgstädt

Wir begehen in diesen Tagen festlich unser 625 - jähriges Stadtjubiläum - ein Ereignis - welches sich durch erst wenige Monate zurückliegende, neu gewonnene Erkenntnisse seinem Inhalt und Wesen nach in einem gänzlich veränderten Licht darstellt. Und doch, - allen Zweiflern zum Trotz -, unsere Heimatstadt Burgstädt kann mit Fug und Recht in diesem Jahr auf 625 Jahre Stadtgeschichte zurückblicken.

Es war kein geringerer als Professor Dr. Karlheinz Hengst vom Institut für Slawistik der Universität Leipzig, der uns vor wenigen Monaten darauf aufmerksam machte, dass eine im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden vorhandene Urkunde, datiert auf den 2. Mai 1378 unter anderem mit dem Vermerk "Burkisstorff vor dem stetil" versehen, unzweifelhaft dokumentiert, dass das Stadtrecht bereits zur damaligen Zeit existierte. Diesen Sachverhalt hat uns Herr Professor Dr. Hengst in seinen Geschichtsforschungen zugänglich gemacht. Ebenso hat uns das Sächsische Hauptstaatsarchiv Dresden in der Interpretation dieses Urkundentextes ausdrücklich bestärkt, das Jahr 1378 als Grundlage für die nachweisbare Stadtgeschichte Burgstädts zu betrachten. Der Stadtrat der Stadt Burgstädt hat auf Vorschlag des Festkomitees zur Vorbereitung des Heimatfestes 2004 den einstimmigen Beschluss gefasst, das Jahr 1378 als Ausgangspunkt für dieses und zukünftige Stadtjubiläen heranzuziehen.

625 Jahre Stadtgeschichte zu begehen, bedeutet Rückblick zu halten und herausragende Entwicklungsepochen der vergangenen Jahrhunderte in Erinnerung zu rufen. Das ist sicher nicht lückenlos realisierbar. Vorstellungen und Erwartungen über Erwähnenswertes mögen dazu, je nach dem Blickwinkel und Interessenbereich des Betrachters durchaus unterschiedlich ausfallen.

Einen umfassenden Überblick über die Entstehung und Entwicklung unserer Stadt vermitteln eine Vielzahl von Büchern und Chroniken, deren Verfasser mitunter in mühevoller Kleinarbeit Fakten über geschichtsträchtige Ereignisse der Stadtentwicklung zusammengetragen haben. Ein Großteil dieser Bücher, Chroniken und Beiträge können in unserer Stadtbibliothek eingesehen bzw. ausgeliehen werden.

Zahlreiche Bücher sind durch Vermittlung oder auf direktem Wege durch die Stadtinformation in unserer Stadtverwaltung käuflich zu erwerben.

Leider berichtet keine Urkunde von der feierlichen Gründung und Verleihung der Stadtrechte. Burgstädt entstand aus einer Marktsiedlung vor den Gütern von Burkersdorf. Die Verleihung des Marktrechtes ist mit den Privilegien einer Stadt gleichzusetzen. So ist Burgstädt wahrscheinlich nach einer Teilung der Herrschaft der Burggrafen von Altenburg in die sogenannte Zinnberger und Rochsburger Linie vom Rochsburger Grundherren bereits ausgangs des 12. Jahrhunderts, als Teilstück vom bereits bestehenden Waldhufendorf Burkersdorf herausgelöst, planmäßig als Marktort angelegt worden. Über Jahrhunderte mussten die Burgstädter Bürger an die Rochsburger Herrschaft Abgaben leisten.  

Die Herausbildung als Stadt ging nur zögerlich voran. Noch im 17. Jahrhundert lebten in Burgstädt nur etwa 70 Familien. Wiederholt vernichteten verheerende Stadtbrände einen Großteil der aus Holz gebauten, schindelgedeckten Häuser. Beim großen Brand von 1650 konnten nur 16 Häuser gerettet werden.

Die in ganz Mitteleuropa grassierende Pest und die Wirren des 30-jährigen Krieges taten ihr übriges.

Seit dem 17. Jahrhundert finden wir die Anfänge der Industrialisierung in Burgstädt. Zu den Wegbereitern des Manufakturwesens in unserer Stadt zählt der Zeughändler Johann Friedrich Wagner, der Burgstädter Wirkwaren als erster zur Leipziger Messe brachte. In der Folgezeit wurde Burgstädt zum Ausgangspunkt der sächsischen Kattundruckerei.

1776 erhielt Traugott Benjamin Böhme das kurfürstliche Privileg, als einziger Manufakturherr Sachsens, reinseidene Tücher herstellen zu lassen.

Am 24. Januar 1835 wurde der erste Bürgermeister der Stadt, Karl August Tetzner eingewiesen.

Bis etwa 1850 war Burgstädt eine ausgesprochene Leinenweberstadt, in der fleißige Einwohner an etwa 1 500 Webstühlen ihr Tagewerk verrichteten. Um die Bürger umfassender zu informieren wurde 1853 das "Burgstädter Wochenblatt" herausgebracht, das sich später zum "Burgstädter Anzeiger und Tageblatt" entwickelte.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gründeten sich zahlreiche Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr wurde im Jahre 1860 gebildet. 1854 öffnete die städtische Sparkasse ihre Türen und 1857 wurde in einem Seitenflügel des Rathauses das königliche Gerichtsamt Burgstädt eingerichtet. Bereits im Jahre 1863 führte Gustav Wolf die Herstellung von Stoffhandschuhen ein. 

Nach jahrzehntelanger Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung machte die, insbesondere von Gustav Wolf im großen Maßstab ausgebaute Stoffhandschuhindustrie den Namen der Stadt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die Handschuhfabrikation zog viele Hilfsgewerke, von der Kartonagenherstellung bis zur Maschinenfabrikation nach sich. Gleichzeitig erfuhr die Herstellung von Strumpfwaren und Trikotagen verschiedener Art eine beträchtliche Erweiterung.

Der endgültige Durchbruch in der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Stadt wurde 1872 mit dem Anschluss der Stadt an die Eisenbahnlinie Chemnitz - Leipzig erreicht. Hier ist es dem besonderen Verdienst des damaligen Landtagsabgeordneten und Burgstädter Bürgers Dr. Heinrich Hahn zu danken, dass Burgstädt Anschluss an den Weltverkehr erhielt. Innerhalb weniger Jahre wuchs der Umfang und die Einwohnerzahl in beträchtlichem Umfang an. 1848 zählte unsere Stadt bereits mehr als 3 600 Einwohner.

Viele neu entstandene Betriebe der Textilindustrie und des Maschinenbaus prägten in den folgenden Jahrzehnten die Entwicklung der Stadt und verhalfen ihr zu einem bedeutsamen wirtschaftlichen Aufschwung.

Natürlich hatte diese Entwicklung auch positive Wirkungen auf alle anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. 1862 nahm beispielsweise das städtische Krankenhaus seinen Betrieb auf.  

Wie wir aus einer historisch wertvollen Schrift, der "Geographie für Postkursuss" der Postschule zu Burgstädt aus dem Jahre 1891 entnehmen können, war unsere Stadt mittlerweile auf 6 900 Einwohner angewachsen.

Das genannte Buch ist ein Ehrengeschenk zum 625. Geburtstag der Stadt von Herrn Magister Manfred Delling, einem heute noch mit unserer Heimatstadt aufs engste verbundenen, ehemaligen Burgstädter. Dieses Buch ist künftig im Museum einzusehen.

Im Jahr 1889 wurde die sogenannte grüne Lunge der Stadt, der Wettinhain, als eine heute noch von vielen Bürgerinnen und Bürgern gern besuchte Parkanlage eingeweiht. 1913 sollte das Wahrzeichen der Stadt, der Taurasteinturm, in massiver Bauweise errichtet, folgen. Im selben Jahr öffnete mit der Zentralschule, dem heutigen Gymnasium, eine der zur damaligen Zeit größten Bildungseinrichtungen des Umlandes, seine Türen.

Die zunehmende Industrialisierung brachte eine Vielzahl technischer Neuerungen und Erfindungen mit sich. Auch unsere Stadt kann sich rühmen, mit herausragenden Persönlichkeiten an diesen weitreichenden Entwicklungen beteiligt gewesen zu sein. Erhielt der aus Heiersdorf stammende Otto Kirchhof bereits 1896 den Gebrauchsmusterschutz auf den uns auch heute noch allen bekannten Flaschenbügelverschluss, so war es 1918 wiederum ein Burgstädter, der mit seinem patentierten Ackerwagen für eine technische Errungenschaft im Bereich der Landwirtschaft sorgte.

Der erste Weltkrieg 1914 - 1918 in dem Burgstädt sogar Garnisonsstadt war, brachte wieder Not und Elend. Mehr als 300 Kriegsopfer waren zu beklagen. Hunderte kehrten als Krüppel vom Schlachtfeld zurück. Nur langsam erholte sich die Wirtschaft in unserer Stadt von den Kriegswirren.

Mit der Fertigstellung der Kläranlage am Brausebachtal wurde 1927 eine wesentliche Voraussetzung für den weiteren, wirtschaftlichen Fortschritt und die Verbesserung der Infrastruktur in der Stadtentwicklung geschaffen.

Mit der Eingemeindung von Burkersdorf, Heiersdorf und Göppersdorf mit Herrenhaide im Jahr 1935 wuchs die Bevölkerungszahl der Stadt Burgstädt schlagartig auf 17 900 Einwohner an.

Das so zu neuem Ansehen und wirtschaftlicher Stärke sich entwickelte Burgstädt sollte in der Folgezeit im Schatten des barbarischen Hitlerregimes und den Auswirkungen des zweiten Weltkrieges einen herben Rückschlag erleiden. Viele Betriebe der Stadt wurden für Rüstungszwecke missbraucht.

Unzählige junge Menschen und Arbeiter aus den Betrieben mussten ihr Leben auf dem Schlachtfeld des zweiten Weltkrieges lassen. Aufrichtige Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung - unterschiedlicher Glaubensauffassungen - wurden für ihr mutiges Auftreten gegen den nationalsozialistischen Wahnsinn verfolgt, gequält und ermordet. Auch aus unserer Stadt sind zahlreiche politische Opfer zu beklagen. Wir ehren sie und alle Opfer von Gewalt in einer jährlich am 27. Januar stattfindenden Gedenkveranstaltung.

Wenige Tage vor dem endgültigen Aus des Hitlerfaschismus rückten amerikanische Truppen am 14. April 1945 in die Stadt ein. Aber die politische Großwetterlage verfügte es, dass Burgstädt  bald zur sowjetischen Besatzungszone gehörte. Von größeren Zerstörungen war die Stadt glücklicherweise verschont geblieben. Allerdings drohte sie mit den mittlerweile knapp 20 000 Bewohnern, darunter viele Vertriebene und Ausgebombte, aus allen Nähten zu platzen. 

Schon kurz nach Kriegsende nahmen die Betriebe der Stadt wieder ihre Produktion auf. Viele Privatunternehmer wurden enteignet, die Betriebe verstaatlicht. Als einer der größten Betriebe und Arbeitgeber der Stadt bildete sich durch Zusammenlegung von kleineren und mittleren Unternehmen die Textilwerke "Clara Zetkin" mit mehr als 1 900 Beschäftigten heraus. Als weitere Großbetriebe seien genannt, die Feinspinnerei Burgstädt mit 600 Beschäftigten, die Schlossfabrik - später Elfema -, das Dienstleistungskombinat Burgstädt, der VEB Wirkwaren, das Trikotagen- und Handschuhwerk Burgstädt, Modische Wäsche, die Druckerei, die Brauerei Burgstädt, Schär- und Spulmaschinenbau und Elektronische Geräte.

Auch im Bereich des Handwerks vollzogen sich umfangreiche Veränderungen. Es wurden drei Produktionsgenossenschaften des Handwerks gebildet. In der Landwirtschaft wurde mit der intensiven Bodennutzung begonnen. Auch hier entstanden landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Von insgesamt 1 840 ha Stadtfläche wurden mehr als 1 400 ha landwirtschaftlich genutzt.

Nicht alle Neugründungen und Betriebsveränderungen liefen einvernehmlich vonstatten. Oft wurde staatlicher Zwang ausgeübt. Es soll den Geschichtsforschern vorbehalten bleiben, diese Vorgänge im einzelnen zu bewerten. Letztlich hatten viele Menschen in den Burgstädter Betrieben und Einrichtungen eine Beschäftigung gefunden.

Natürlich musste auch auf dem Gebiet der Verbesserung der Infrastruktur und der Lebensbedingungen für die Bevölkerung vieles in Angriff genommen werden.

Trotz einer in der DDR-Zeit hinlänglich bekannten Mangelwirtschaft, entstanden für die damalige Zeit recht ansehnliche und moderne Wohnungsbauten. Erwähnenswert sind insbesondere die  entstandenen Wohngebäude in Trägerschaft der Wohnungsbaugenossenschaft im Bereich Goethe- und Rothstraße und der Gebäudewirtschaft, jetzt Kommunale Wohnungswirtschaft, an der Mohsdorfer Straße. Viele Eigenheime und Privatwohnungsbauten sollten in der Folgezeit, trotz Baustoffknappheit und Kontingentierung folgen.

Auch im Bereich des Gesundheitswesens und der sozialen Belange wurde in Burgstädt Beachtliches geleistet. Im ehemaligen Finanzamt an der Beethovenstraße wurde ein leistungsfähiges und gut ausgestattetes Krankenhaus eingerichtet. In der Folgezeit entstand im ehemaligen Arbeitsamt an der Friedrich-Marschner-Straße eine für die damalige Zeit moderne Poliklinik.

Zahlreiche Kindertagesstätten und Horte entstanden im Laufe der Jahre.

In erheblichem Umfang wurde in den Ausbau und die Erweiterung der Burgstädter Schulen investiert. Mit der Ernst-Schneller-Schule, dem heutigen Gymnasium, der Diesterweg- und Goetheschule sowie der Teilschule im Ortsteil Herrenhaide verfügte die Stadt über ein breitgefächertes Bildungsangebot.

Aber auch auf anderen Gebieten konnte und kann sich die Entwicklung von Burgstädt durchaus sehen lassen. So gründeten sich unmittelbar nach Kriegsende zahlreiche Vereine neu oder nahmen ihre traditionsreiche Vereinstätigkeit wieder auf. So gab beispielsweise der Männerchor "Einklang" bereits im Herbst 1945 sein erstes öffentliches Konzert. Ein breitgefächertes Kultur- und Sportangebot stand schon bald der Burgstädter Bevölkerung zur Verfügung. Zwei Kinos in der Stadt sorgten allabendlich für allerlei Unterhaltung. Selbst ein Theater und eine Musikschule waren  bis 1959 in Burgstädt vorhanden.

Zahlreiche Kunstschaffende haben sich um die Stadt verdient gemacht. Beispielhaft für viele seien genannt: die Schriftsteller Frau Dr. Ingerose Paust und Hermann Heinz Wille, der Maler Manfred Stahn und der Komponist Gerhard Matthes. Auch dem ersten Ehrenbürger der Stadt nach  1989/90, dem leider viel zu früh verstorbenen Ullrich Kunz, soll für sein Wirken als Heimatforscher an dieser Stelle gedacht sein.

Vieles ließe sich aus der mehr als 40-jährigen DDR-Geschichte der Stadt Burgstädt hier noch aufführen. Sicher gäbe es nicht nur Positives zu berichten. Unbestritten ist jedoch, Burgstädt hatte sich in all den Jahren mit seinen zahlreichen Industriebetrieben und einer leistungsfähigen Landwirtschaft zu einem bedeutsamen Zentrum für Arbeit und soziale Geborgenheit entwickelt. Ebenso muss aber auch erwähnt werden, dass auf Grund der wiederholt genannten Umstände, viele Bereiche der Infrastruktur vernachlässigt wurden bzw. angesichts des fehlenden Aufkommens an Geld und Material einfach keine Veränderungen möglich waren.

Die Geschichte unserer Heimatstadt bestand über die Jahrhunderte aus Höhen und Tiefen. Ihre Bürger haben jedoch nie den Mut verloren, in dieser Stadt zu leben und sie zu lieben. Wie anders kann man erklären, dass nach mehreren Stadtbränden, die fast die ganze Stadt verwüsteten, die Häuser wieder aufgebaut wurden oder wirtschaftliche Rückschläge nach Kriegen durch Fleiß und Zielstrebigkeit überwunden wurden. Diesem Willen der Menschen etwas Neues zu schaffen, verdanken wir unseren denkmalgeschützten Altstadtkern, mit seinen vielen schönen, liebevoll instandgesetzten Bürgerhäusern und zahlreiche, weitere repräsentative Bauwerke der Stadt.

Auch in Burgstädt wurde der demokratische Wandel im Herbst 1989 friedlich vollzogen. Im Februar 1990 nahm der aus Vertretern von Parteien, Organisationen und Bewegungen gebildete "Runde Tisch" seine Arbeit auf. Hauptaufgabe dieses Gremiums war die Vorbereitung der für den 6. Mai 1990 anberaumten Kommunalwahl. Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Burgstädt hatte bereits am 11. November 1989 ein 21-Punkte-Programm verabschiedet, welches als Handlungsinstrument zur Schaffung von Vorraussetzungen für die zukünftige Durchführung einer effektiven Kommunalpolitik dienen sollte. Auf der Grundlage dieses Arbeitspapiers war es in relativ kurzer Zeit möglich geworden, dass sich die Stadt Burgstädt mit einem festen Ziel vor Augen, den neuen, gewaltigen Anforderungen stellen konnte. Ein besonderes Augenmerk wurde neben dem Aufbau einer leistungsfähigen Verwaltung, vor allem der Verbesserung und Stärkung einer intakten Infrastruktur geschenkt.

Dass diese Bemühungen überwiegend von Erfolg gekrönt waren, kann man bei objektiver Betrachtungsweise der seit 1990 vollzogenen Stadtentwicklung deutlich feststellen. Unsere Stadt ist schöner uns attraktiver geworden. Die Beispiele für erfolgreiche städtebauliche Aktivitäten sind vielfältig. Der unter Denkmalschutz stehende, historische Altstadtkern hat durch die Initiativen vieler privater Bauherren enorm an Anziehungskraft gewonnen. Neue Wohn- und Geschäftshäuser wurden harmonisch in die vorhandenen, teilweise historisch wertvollen Bausubstanzen integriert. Die Stadt hat bis auf die Marktgestaltung alle innerstädtischen Straßen, Plätze und Fußwege mit einem hohen Investitionsaufwand grundhaft instandgesetzt. Die Gestaltungsarbeiten am Markt sollen 2004 in Angriff genommen werden.

Mittlerweile sind im Territorium Burgstädt mehr als 75 % des Straßennetzes in Stand gesetzt worden. Eines der größten, städtischen Bauvorhaben war die Fertigstellung der von vielen Kraftfahrern rege in Anspruch genommene "Neuen Herrenhaider Straße", als Direktverbindung der Stadt zur B 95. Die Entlastung des innerstädtischen Durchgangsverkehrs soll sich durch den Bau einer weiteren Umgehungsstraße zwischen der Chemnitzer Straße und der Mittweidaer Straße, am Ortseingang zur Nachbargemeinde Taura fortsetzen. Durch den Bau der Ortsumgehung wird eine wesentliche Verkehrsentlastung der Innenstadt und eine verbesserte Anbindung des Stadtgebietes, besonders des Gewerbe- und Industrieparks Burgstädt/Herrenhaide an die geplante Autobahn Chemnitz - Leipzig erreicht.

Die Möglichkeiten der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in der Stadt selbst, werden durch ein weiteres, bedeutsames Bauvorhaben im erheblichen Umfang verbessert. Mit der Errichtung einer Schnittstelle für den öffentlichen Personalverkehr am Standort des ehemaligen Bahnhofgebäudes wird eine ideale Verknüpfung von Bus- und Schienenverkehr unter Einbeziehung des mobilen Individualverkehrs erreicht.

Im Bereich der Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen hat die Stadt Burgstädt entsprechend ihren Möglichkeiten einen beachtlichen Beitrag geleistet. Bereits kurz nach der Wende wurde der erste Spatenstich in dem mehr als 26 ha großen Gewerbe- und Industriepark Burgstädt/Herrenhaide vollzogen. Trotz einer guten Belegung des Gewerbeparks war es leider nicht möglich, den enormen Zusammenbruch von Industriebetrieben und den damit verbundenen Wegfall von Arbeitsplätzen auszugleichen. 

Durch die Abwanderungen von Jugendlichen und Einwohnern im arbeitsfähigen Alter in das alte Bundesgebiet, überwiegend bedingt durch fehlende Arbeitsplätze bzw. bessere Verdienstmöglichkeiten, sind die Einwohnerzahlen auch in Burgstädt in den letzten Jahren zurückgegangen. Trotz des 1995 vollzogenen Zusammenschlusses mit der Gemeinde Mohsdorf zählt die Stadt Burgstädt zum Jahresende 2002 noch 12 412 Einwohner.

Große Erwartungen hatten unsere Mitbürgerinnen und Bürger in die im August 1994 in Kraft getretene Kreisreform gesetzt. Hatte die Stadt Burgstädt im ehemaligen Landkreis Chemnitz, zu DDR-Zeiten Karl-Marx-Stadt, hinter anderen Städten des Landkreises oft zurückstehen müssen, erhoffte man sich mit der Eingliederung in den Landkreis Mittweida bessere Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven.

Eine weitere Reform, die Gemeindegebietsreform des Freistaates, sollte 1998 ebenfalls für die Entwicklung der Stadt, hier insbesondere den Bereich der Verwaltung betreffend, von maßgeblicher Bedeutung sein. Per Gesetz wurde die Stadt Burgstädt gemeinsam mit den Gemeinden Taura und Mühlau verpflichtet, eine Verwaltungsgemeinschaft einzugehen.

Schulen und Kindergärten wurden in den letzten Jahren grundhaft saniert bzw. ausgebaut und damit beste Aufenthalts- und Lernbedingungen für unsere Kinder und Jugendlichen geschaffen. Ebenso hat sich das Burgstädter Gymnasium zu einem attraktiven und bedeutenden Bildungszentrum für Burgstädt und das Umland entwickelt. 

Von besonderer Bedeutung für die Sicherheitsbelange unserer Einwohner ist das seit 1994 wieder in Burgstädt eingerichtete Polizeirevier mit mehr als 50 Beamten und einem Bürgerpolizisten als unmittelbaren Ansprechpartner der im Alltag auftretenden Probleme.

Auch im Bereich der Betreuung und Fürsorge unserer älteren Mitbürger hat sich in Burgstädt vieles getan. Ein Beispiel dafür sind die zahlreich entstandenen Einrichtungen des betreuten Wohnens, das neu entstandene Alten- und Pflegeheim des Arbeitersamariterbundes und der fertiggestellte Sozialwohnungsbau mit mehr als 85 Wohnungen.

Einen in jeder Beziehung anerkennenswerten Beitrag, vor allem im sozialen Bereich, leisten auch die kirchlichen Einrichtungen in unserer Stadt.

Die Lebensführung vieler Menschen unserer heutigen Zeit ist leider nicht mehr im besonderen Maße von Solidarität, Gemeinschaftssinn oder Religion geprägt. Umso schwieriger ist es bei den Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Vergangenheit, unterschiedlicher Lebenserfahrung Interesse für das kirchliche Leben zu wecken. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Probleme denen viele unserer Mitmenschen gegenwärtig ausgesetzt sind, bieten die Kirchen Hoffnung, Glaube und Zuversicht.

Mit großem Respekt kann festgestellt werden, dass zahlreiche kirchliche Einrichtungen in den letzten Jahren mit Eigeninitiative, anerkennenswerter Spendenbereitschaft und natürlich in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit neu gestaltet bzw. neu entstanden sind. Dazu zählen der Neubau der katholischen Kirche an der Lessingstraße, den erst kürzlich eingeweihten Anbau des evangelisch-freikirchlichen Gemeindezentrums und natürlich das Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirche in unserer Stadt.

Wir als Stadt Burgstädt sind stolz, das Don Bosco Jugendwerk,  als anerkannten Träger der freien Jugendhilfe mit seinem  Wirken für die Jugend  in Burgstädt zu wissen. Sie haben einen entscheidenden Anteil daran, dass jungen Menschen in der gegenwärtig von komplizierten Lebensvorgängen geprägten Zeit, die Chancen eines geordneten Berufslebens eröffnet werden.

Das Vereinsleben in der  Stadt hat schon seit Jahren einen hohen Stellenwert inne. Vielfältige Möglichkeiten einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung für alle Alters- und Interessenbereiche werden von den mehr als 65 Vereinen angeboten. Mit der Übergabe des Sportzentrums am Taurastein im Jahr 2002 konnten  vor allem unseren Sportlerinnen und Sportlern ideale Trainings- und Wettkampfbedingungen zur Verfügung gestellt werden. Diese Sportzentrum wird in den nächsten Jahren zu einem Freizeit-, Sport- und Kulturzentrum für Burgstädter und Besucher und Gäste der Stadt ausgebaut werden. Unter anderem soll Burgstädt nach Jahren wieder ein attraktives Freizeitbad erhalten.  

Es bleibt festzustellen, dass in einer geschichtlich eigentlich unbedeutenden Zeit von etwas mehr als 10 Jahren, in Burgstädt zur Erhaltung und Erweiterung der Infrastruktur und der Bausubstanz mehr getan wurde, als in mehr als 40 Jahren DDR-Geschichte. 

Ein Besuch in Burgstädt soll zu einem abwechslungsreichen Erlebnis werden. Etliche Vorraussetzungen dazu wurden bereits geschaffen, wie die in den letzten Jahren aufwendig restaurierten Sehenswürdigkeiten in unserer Stadt, wie das Marktensemble mit dem historischen Seigerturm und den daneben befindlichem  Heimatmuseums, oder aber auch an unseren Taurasteinturm, das Wahrzeichen unserer Stadt, beweisen.

Aber auch ein Besuch des denkmalgeschützten Stadtzentrums mit seinen engen, anheimelnden Gassen, Bürgerhäusern, dem spätbarocken Rathaus und dem Marktplatz ist jederzeit empfehlenswert. Unsere ansässigen Händler, Gaststätteninhaber und Gewerbetreibenden bieten dem Besucher ein vielseitiges Angebot und einen guten Service. "Burgstädt erleben" ist durchaus reizvoll und lohnenswert.

Naumann

Bürgermeister